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Predigt zu Jer. 14,1-9 am 18. Januar 2026
Predigt zu Jer. 14,1-9 am 18. Januar 2026
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Predigt zu Jer. 14,1-9 am 18. Januar 2026
Lieb Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
„Der tut nichts. Sie brauchen keine Angst zu haben. Der will nur spielen. Der ist lieb.“ – So oder so ähnlich haben wir alles es schon ein paarmal gehört, wenn ein unbekannter Hund auf uns zugelaufen ist.
„Der tut nichts. Der will nur spielen. Der ist lieb.“
Ist das auch das Bild, das wir von Gott haben, wenn wir ihn den „lieben Gott“ nennen? Dass er lieb ist, nichts tut, und bestenfalls nur spielen will?
Auch wenn von euch jetzt der ein oder andere mit dem Kopf schüttelt – so ganz abwegig ist das nicht. Denn „lieb“ ist in unseren Vorstellungen eben in Wirklichkeit der / oder die, die nicht auffällt, die nicht stört, sondern folgsam ist und bestenfalls nur spielen will.
So ist Gott aber gar nicht. – Weder im Neuen Testament noch im Alten. – Das war der Jesus nicht in der Hochzeit von Kanaa, wie wir gerade gehört haben. Der seine Mutter anfährt, weil sie etwas von ihm will, wo er doch anderes im Sinn hat. Der nicht artig tut, was man von ihm möchte, sondern das dann eher beiläufig, mürrisch und vielleicht auch, damit ihm seine Mutter nicht weiter auf die Nerven geht. – „Lieb“ war das jedenfalls nicht, was er da tat. – Aber durchaus wirkungsvoll.
Als wirkungsvoll sah auch Jeremia die Taten Gottes an. Und die waren nun wirklich ganz und gar nicht lieb. – Weil sie, also das Volk Israel, eben auch so ganz und gar nicht lieb gewesen waren. Sie hatten Gott den besagten „lieben Mann“ sein lassen, hatten auch mal geschaut, was die anderen Götter so boten (wenn denn da überhaupt Gott oder Götter waren), haben das Recht des Stärken gelten lassen und Gerechtigkeit nur dem zukommen lassen, der auch dafür bezahlen konnte.
All das (dass sie nicht lieb gewesen waren und Gott schon gar nicht lieb ist), sagt Jeremia, war der Grund für das, was sie jetzt auszuhalten hatten: Eine Dürre ungeahnten Ausmaßes. Menschen und Tiere haben zu leiden. Flüsse versiegen. Äcker trocknen aus. Das Vieh verdurstet. Das Korn kann nicht keimen. Dem Durst folgt der Hunger. – Selbst die Reichen haben es irgendwie noch nicht begriffen. Sie schicken ihre Diener los, die aber auch kein Wasser holen können.
Da ruft Jeremia: „Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf uns doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben. Verlass uns nicht!“
Könnte man meinen, bei der Klage über die große Dürre, die Israel und Juda heimgesucht hatte, Parallelen zur von vielen so genannten Klimakatastrophe zu ziehen, so ist das aber doch zu kurz gegriffen. Die Dürre zur Zeit von Jeremia war garantiert weder menschengemacht noch von Menschen beeinflusst. Es war die große Katastrophe, die über sie hereingebrochen war. Für die sie keinen einzigen Grund fanden, als den: Gott zürnt.
Dass Katastrophen, Unglücke, Sorgen über uns herein brechen und wir uns nicht erklären können, warum und wieso, ist allerdings etwas, das wir auch aus und vielleicht sogar in unserem Leben kennen. Die großen Katastrophen und Nöte, die viele betreffen, oder die kleinen, die mich in meinem Leben und meinen Lebensplanungen durcheinanderwerfen. – Diese großen und kleinen nicht erklärbaren Katastrophen kennen wir auch.
Und wie nah – oder wie fremd – ist uns dann der Gedanke vom Propheten Jeremia, dass Gott eben nicht der liebe, artige und folgsame Gott ist, sondern der, der sich von uns abgewendet hat, sich von uns zurück gezogen hat. Dessen Liebe an seine Grenzen gekommen war. Weil er nicht der liebe sondern der liebende Gott war / ist. Ein Gott mit Emotionen, mit Gefühlen – zu denen Liebe gehört, aber eben auch Wut und Enttäuschung.
Die, so sagt es Jeremia, bei Gott deutlich wurden / werden, weil sein Volk / weil wir nicht so leben, wie wir könnten und sollten. – Nach seinen Geboten nämlich. – Er uns nicht hilft. Ganz bewusst nicht hilft. – Und sich, so hofft und fleht Jeremia, dann vielleicht doch noch einmal beknien lässt (im Vollsinn des Wortes), beknien lässt und uns hilft aus aller Not, die uns betrifft. – Weil Gott uns liebt!
Früher hieß es mal: „Die Not lehrt beten.“ Die Älteren werden sich noch daran erinnern können. Aber schon in meiner Generation wurde das weniger. – Ob ihr Jungen damit noch was anfangen könnt; ich wage es kaum noch zu hoffen.
Wir haben aus dem liebenden Gott nur noch einen lieben gemacht. Einen, der weder Unglück noch Nöte in unserem Leben verursacht hat, noch dass er in der Lage wäre, uns da raus zu helfen. Weil er eben „lieb“ ist. Artig. Eigentlich nicht wirklich Dinge wenden kann.
„Not lehrt beten?“ – Immer weniger. Not lehrt Vorsorge zu treffen, eine gute Krankenversicherung zu haben, oder einen, den man dafür verantwortlich machen und vor Gericht ziehen kann. Unglück heißt, die Technik noch sicherer zu machen und die Wissenschaft mit mehr Finanzmitteln zu versorgen. – Aber „beten“? – Wenn das alles versagt, dann vielleicht. Aber vorher erntet man nur das mitleidige Lächeln des Gegenübers, wenn man beten zu Gott als Möglichkeit in Betracht zu ziehen wagt.
„Gott ist lieb.“ – Ist er doch? – Und wenn ja, dann hat er zu den wesentlichen Dingen nicht wirklich was zu sagen oder auch auszurichten.
Aber Gott ist nicht lieb, haben die Menschen der Bibel erfahren und aufgeschrieben. Er ist nicht lieb sondern liebend.
Und „liebend“ heißt, Emotionen zu haben, Gefühle zu empfinden (Ja, auch von Gott wird gesagt, dass er Gefühle hat; und damit ist eben nicht nur die artige Liebe gemeint). Der liebende Gott ist einer, dem wir nicht egal sind, der uns helfen will, der uns aber auch zurechtweisen will, um uns zum Guten hin zu wenden. So, wie das liebende Eltern tun. Die sich um ihre Kinder kümmern; die aber auch ihre Kinder, wenn es sein muss, zurechtweisen, damit sie Regeln lernen und sich richtig zu verhalten lernen. Auf Andere acht geben, und nicht meinen, sie wären die Kronprinzen, denen alle Welt ihre Wünsche erfüllen muss.
Wie nah – oder wie fremd – ist uns dieser Gedanke eines liebenden Gottes, eines Gottes, der uns eben nicht jeden Wunsch durch sein allmächtiges Wort erfüllt, sondern auch zurechtweisen kann oder sich abwenden kann?
Und dann aber auch hört, wie wir klagen, wie wir rufen und uns Hilfe von ihm erhoffen?
Wie nah – oder wie fremd – ist uns der Gedanke, dass da ein richtiger Gott, ein lebendiger Gott ist, einer, der nicht lieb, nicht folgsam ist, sondern einer, der liebend ist und Folgen in unserem Leben zeitigen kann und will?
Die Antwort auf diese Frage muss jeder und jede für sich alleine finden. Aber vielleicht haben dabei die Worte des Jeremia und diese Predigt ein wenig helfen können.
Und dann sind vielleicht auch die Wort des nächsten Liedes nicht einfach schöne Poesie sondern Hilfe in Not und Trost, wenn Trost nötig ist.
Weil wir eben keinen lieben Gott haben sondern einen liebenden. – Amen.
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