Predigt vom 19.10.2025 über Jak. 2,14-26

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Predigt vom 19.10.2025 über Jak. 2,14-26

# Predigten

Predigt vom 19.10.2025 über Jak. 2,14-26

Jak. 2,14-26                 18. Sonntag nach Trinitatis
Ev. Friedenskirche        19. Oktober 2025

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

kennt ihr die fünf „Sola“ der Reformation? „Sola“ heißt: „Allein, nur, nichts außerdem“.

Diese fünf sind:

  • Sola scriptura, nur die Schrift, nur die Bibel, keine weiteren Zeugnisse vom Dreieinigen Gott
  • Sola fide, nur durch Glauben. – Die Sakramente sind ohne Glauben bloß Wein, Brot und Wasser.
  • Solus Christus, Hokuspokus oder andere Mächte führen weder zur Gott noch zur Erlösung.
  • Sola gratia, allein durch Gnade. Wir können uns Gottes Liebe nicht verdienen.

Und genau damit, mit der „sola gratia“ scheint es in der Zeit des Jakobusbriefes Schwierigkeiten gegeben zu haben. Einige meinten, der Glaube brauche keine Werke – und andere, wer Werke tut, braucht keinen Glauben.

Klingt kompliziert? – Ist es aber eigentlich gar nicht.

Glaube ohne Werke? – Das hieße heute: In den Gottesdienst gehen und ganz bewusst nichts in den Klingelbeutel legen. Oder online überweisen. Das hieße nur gut für seine Familie sorgen und seine engen Freunde; die anderen sollten selbst sehen, wo sie bleiben. Flüchtlinge? Hungernde? Unter Krieg Leidende? – Geht mich nichts an. Ich glaube an Gott. Mir geht es gut. Sollen die doch auch glauben. Dann geht’s denen bestimmt auch besser. So kommen wir alle in den Himmel. – Glauben ohne Werke.

Kann man sich nicht vorstellen? – Im letzten Jahr hätte ich dem noch zugestimmt. Aber die radikalen Rechten, sogenannten Christen in den USA propagieren genau das. Kümmern sich nicht um andere. Um Hilfsbedürftige. Um Menschen mit anderem Aussehen, anderer Religion oder sonstwie Anderssein. – Sie glauben ja genug. Beten genug. Sind fromm genug. – Das muss reichen vor Gott. – Glauben sie.

Und das andere Extrem: Gute Werke tun ohne Glauben? – Das kann man sich in unserer Welt seht gut vorstellen und auch erleben. Dass sich Menschen der Bedürfnisse der Anderen annehmen. Und auch der Natur. Dass sie sich einsetzen und helfen – manchmal bis zur Selbstaufgabe. – Werke ohne Glauben.

Problematisch dabei ist, oft, dass manche meinen genau zu wissen, dass das, was sie tun, richtig ist. Und nur das, was sie tun. Andere Ideen und andere Herangehensweisen daran, wie man Nöten helfen kann, dann kategorisch ausschließen. Radikal werden in ihren Ansichten, Reden und Handeln. Menschen in gut (was wir tun) und schlecht (was andere tun) einteilen und damit die „Anderen“ nicht auch als Kinder Gottes, sehen als Seine Geschöpfe sehen, wie sie selbst auch sind.

Kommunistische Staaten sind dafür ein gutes Beispiel. Aber auch die ein oder andere sogenannte Non profit organisationen, die nichts anderes gelten lässt als das, für das sie stehen.

So etwas gibt es heute und hat es früher im jungen Christentum eben auch gegeben.

Der Jakobusbrief sagt: Beides ist falsch. Glauben ohne Werke genauso wie Werke ohne Glauben. – Wer sich als Kind Gottes versteht, wird das eine nicht ohne das andere können.

Und um beides muss gestritten werden, weil wir zwar alle gleich sind als Kinder Gottes, aber doch ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt haben und was wir bisher ganz persönlich für uns selbst erlebt haben. Welche Lösungsansätze wir sehen.

„Glauben“ kann sich nämlich ganz unterschiedlich gestalten: Von Stundengebete halten, bis sich getragen wissen in Gott ohne dass es zum regelmäßigen Händefalten sichtbar für alle kommt. (So sehr ich natürlich für die regelmäßige Teilnahme Gottesdienst werbe.) Es gibt nicht den „falschen“ oder den „richtigen“ Glauben an Gott, sondern nur „Glauben an Gott“.

Aber der muss umgesetzt werden im eigenen Leben: Wie kann ich Geflüchteten helfen und Fluchtursachen bekämpfen? Wie kann ich Menschen helfen, die mit ihrem Einkommen nicht auskommen? Wie kann ich ein „Wir“ in unserer immer pluralistischer gewordenen Gesellschaft erreichen? 

Aus dieser Diskussion kann ich mich / können wir uns nicht raushalten. Kirchen, Christinnen und Christen, müssen immer versuchen, darauf Antworten zu geben. Auf diese politischen Fragen. Denn das sind politische Fragen. Kirche, Christinnen und Christen sind daher immer auch politische Wesen. 

Aber immer auf Diskussionen angelegt. Nicht auf Abgrenzung oder Ausgrenzung. Niemals radikal sondern immer kompromissbereit – soweit es die anderen auch sind.

Das sagt uns die „Schrift“, die Bibel. Wir brauchen nichts anderes. Da kommt alles vor. Das ist unsere Grundlage. – Weil Jesus Christus, der Einzige und Alleinige, so gelebt und gehandelt. Für andere im festen Glauben, ohne dabei andere auszugrenzen. – Der immer wieder zur Umkehr und zur Liebe aufgerufen hat. Einer Liebe, die auch Gott uns gnädig schenken möchte.

Das alles reicht, um, wie es die Bibel formuliert, „selig“ zu werden in Zeit und Ewigkeit.

Der Jakobusbrief führt uns das noch einmal vor Augen und vor Gemüt. – Amen.

 

Und der Friede Gottes....

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