Konfirmandenarbeit
80. Geburtstag von Anne Frank
„Ich finde Anne Frank hat ein schreckliches Leben gehabt!", schrieb am Donnerstag ein Konfirmand auf ein Kastanienblatt. 42 Konfirmanden hatten sich am Fronleichnamstag mit Presbyter Thorsten Schlüter und Pfarrer Christoph Maties sowie dem Betreuerteam des KU 7 Kurses auf den Weg nach Amsterdam gemacht.
Einen Tag vor dem Gedenktag anläßlich des 80. Geburtstages von Anne Frank, schaute die Konfirmandengruppe aus dem Pfarrbezirk Auferstehungskirche der Ev. Friedenskirchengemeinde auf den Kastanienbaum, der vom Dachfenster des Hinterhauses in der Prinsengracht zu sehen ist. Dieser Baum ist ein Zeichen des „Werdens und Vergehens", auf den die acht Versteckten jüdischen Menschen während der gut zwei Jahre aus dem Hinterhaus blickten. Dort hatten sich die Franks mit einer befreundeten Familie vor den Nachstellungen der Nazis versteckt.
Der Aufforderungsbescheid für Annes Schwester Margot sich zum Arbeitsdienst zu melden, war dann der Anlaß im Juli 1942 im Hinterhaus der Firma von Otto Frank unterzutauchen.
Denn diese Aufforderung bedeutete in der Konsequenz unmißverständlich Konzentrationslager.
Jonas aus Hamburg, der sein freiwilliges soziales Jahr im Anne Frank Haus absolviert, erzählte dann eine Stunde lang über das dramatische Leben von Anne Frank und ihrer Familie. Danach konnten die Jugendlichen selbst die Zimmer im Hinterhaus besichtigen. Und sie staunten: In welch engen Verhältnissen hatten die acht Menschen hier gelebt und immer in Angst vor Entdeckung.
Der Blick auf den Kastanienbaum, auch eine „Hoffnung auf Freiheit". Während die Alliierten im Sommer 1944 auch Richtung Belgien und Niederlande vorrückten, also die Befreiung nahte, wurden die jüdischen Menschen im Hinterhaus verraten.
Anne und ihre Schwester Margot Frank wurden durch Krankheit und Unterernährung im Konzentrationslager Bergen-Belsen im März 1945 ermordet. Wenige Wochen später befreiten britische Truppen das Lager in der Lüneburger Heide.
Anne Franks Tagebuch, das die Ereignisse aus den zwei Jahren im Hinterhaus erzählt, veröffentlichte später der Vater Otto Frank, der einzige Überlebende der acht Versteckten.
Der Kastanienbaum im Garten des Hinterhauses ist, obwohl schon zu 90% tot, auch ein „Symbol der Erinnerung". Die Samen seiner Früchte werden in alle Welt geschickt, wo Schulen und Kindergärten sich bewußt den Namen Anne Frank geben. Sie bewahren damit ihre Geschichte und ermahnen uns, daß wir in ihrem Sinne für Toleranz, Fremdenfreundlichkeit und einen umfassenden Frieden eintreten.
Oder wie es in ihrem Tagebuch heißt: „Und doch ... denke ich, daß sich alles wieder zum Guten wenden wird... daß wieder Ruhe und Frieden in die Weltordnung kommen werden."
Tief beeindruckt haben die 42 Jugendlichen das Anne Frank Haus verlassen, sehr betroffen darüber, daß es für Anne nicht gut ausging. Anne Frank durfte gestern leider nicht ihren 80. Geburtstag feiern.