PosterGottesdienst zur Internationalen Friedenskonvokation am 22. Mai um 10:30 Uhr in der Friedenskirche

Dass Gerechtigkeit und Frieden sich küssen

„Die Bibel macht Gerechtigkeit zur untrennbaren Gefährtin des Friedens“, so sagt es der Ökumenische Aufruf zum gerechten Frieden, den der Ökumenische Rat der Kirchen dieses Jahr veröffentlicht hat. Zum Thema „gerechter Frieden“ treffen sich nun vom 17.–25. Mai 2011 in der Hauptstadt von Jamaika, Kingston, Mitglieder von mehr als 349 Kirchen aus über 110 Ländern zur Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation.

Warum ist das für uns wichtig?

Nicht nur die Bibel, sondern auch unsere Lebenserfahrung sagt, dass Frieden nicht ohne Gerechtigkeit und Gerechtigkeit nicht ohne Frieden zu haben sind. Schon bei Kindern führt eine ungerechte Verteilung von Spielzeug zum Streit. Zwischen Partnern ist oft eine ungerechte Verteilung von Pflichten und Rechten Ursache für Spannungen in der Beziehung. Unfriede zwischen Kirchengemeinden, z.B. bei Kirchenfusionen, ist der Sorge geschuldet, dass möglichst alle beteiligten Gemeinden dabei gerecht behandelt werden. Ungleiche Einkünfte zwischen ArbeitnehmerInnen in Ost- und Westdeutschland sind ein Grund dafür, dass Versöhnung im geeinten Deutschland so schwierig ist. Nationen bekämpfen und bekriegen sich, weil einige Länder in Vergangenheit und Gegenwart auf Kosten von anderen zu existieren versuchen. Das globale Wirtschaften in fremden Ländern geschieht oft weniger umweltfreundlich, weil es nicht das eigene, sondern „nur“ das Lebensumfeld der Anderen zerstört wird. Und auch Kriege hinterlassen meist nur Verwüstung – an der Kultur und an der Natur einer Region. So ist auch die Sorge um unseren Planeten, um die Schöpfung Gottes, mit im Blick, wenn es um „Gerechten Frieden“ geht.

Warum ist „Gerechter Frieden“ ein Thema für die Kirche?

„Ehre sei Gott und Friede auf Erden“ - das ist nach dem Lukasevangelium die Botschaft der Engel auf dem Felde, die den Menschen mit der Geburt Jesu von Nazareth verheißen ist. „Selig sind die Friedensstifter“ - für den Frieden einzutreten, sagt Jesus im Matthäusevangelium, gehört für alle dazu, die ihm nachfolgen wollen. Für den Frieden zu sorgen, dafür, dass alle in Gottes Schöpfung „zufrieden“ leben können, ist das zentrale Thema des Evangeliums.

Die Probleme von Frieden und Gerechtigkeit, wie sie oben beschrieben sind, treten zwischen Menschen auf ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen auf: In der Familie, der Stadt, der christlichen Gemeinde, der wirtschaftlichen, politischen und Völkergemeinschaft. Auf allen diesen Ebenen ist die Kirche Jesu Christi präsent und – was ganz wichtig ist – im Glauben geeint. Das gibt es nur in der Kirche: der Glaube der nicht an weltlichen Grenzen haltmacht.

Deshalb, so glaube ich fest, spielt die Kirche, wenn sie weltweit in ökumenischer Gemeinschaft auftritt, auch eine ganz bedeutende Rolle für mehr „Gerechten Frieden“ in der Welt.

Was heißt das konkret für uns?

Der Ökumenische Rat der Kirchen hat in den letzten 10 Jahren zusammengetragen, was Kirchen vor Ort in ihren Gemeinden, in den Regionen und in Kirchenpartnerschaften konkret für mehr Frieden zu Hause, in den Gemeinden, in der Wirtschaft, zwischen den Völkern und mit der Schöpfung tun können. Internationale Teams haben Kirchen vor Ort – auch in Deutschland – Besuche abgestattet und die Ergebnisse als „lebendige Briefe“ in andere Kirchen als positive Beispiele weiter getragen. Im weltweiten Netz der Kirche, können wir für unser eigenes Leben lernen: Von „Viva Rio“, einer Organisation in den Armenvierteln Rio de Janeiros, können wir lernen, wie Jugendliche aus den schwierigsten sozialen Verhältnissen die Spirale der Gewalt überwinden und wieder gesellschaftlich Integriert werden; argentinische Kirchen schafften es, ihre Ausbildung zu „Friedensstiftern“ in die staatliche Schulausbildung zu integrieren; in Bougainville, Papua New Guinea, konnte ein kirchliches Frauennetzwerk – sozusagen eine ökumenische Frauenhilfe – durch gewaltfreie Proteste, die Belange von Frauen in die Friedensverhandlungen integrieren; die Deutschland konzipierte Ausstellung „Rosenstraße“ zum Thema „Häusliche Gewalt“ tourte auf dem Weg des ökumenischen Netzes durch die ganze Welt. Sie inspirierte Kirchen in anderen Ländern, wachsam zu werden für die Gewalt zwischen Menschen in den Familien, die zu ihren Gemeinden gehören. Theoretisch könnten alle Christen all dies auch allein vor Ort in ihren Gemeinden – aber in anderen Ländern herrschen nicht nur andere Sitten, sondern entstehen auch andere Ideen, lesen Menschen die Bibel anders und entwickeln andere Konsequenzen daraus für ihr Leben. Das kann für uns bereichernd sein. Und das Bewusstsein, mit einem Anliegen in weltweiter Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi zu sein, das gibt Kraft und Ausdauer für große Aufgaben!

Ich freue mich, dass wir in der Friedenskirchengemeinde das Thema „Gerechter Friede“ aufgreifen und wir am 22. Mai um 10:30 Uhr in der Friedenskirche – gemeinsam mit vielen tausend anderen Gemeinden auf der Welt, und mit den TeilnehmerInnen der Friedenskonvokation in Jamaika - den Internationalen Friedenssonntag in einem Gottesdienst begehen können.

Christina Biere, Vikarin