Katja Borbach-Zimehl ist neue Presbyterin der Friedenskirchengemeinde
Das Interview führte Vikarin Christina Biere am 20. April 2011
CB: Frau Borbach-Zimehl, am 3. April sind Sie in einem Gottesdienst in der Auferstehungskirche als neue Presbyterin eingeführt worden. Wie war das für Sie? An welchen Moment des Gottesdienstes erinnern Sie sich noch besonders?
KBZ: Es war aufregend – ganz aufregend! Pfarrer Ruhbach hat die Einführung für mich zu einem tollen Erlebnis gemacht. Ich hatte richtig das Gefühl, dass das „mein“ Gottesdienst war. Schön war auch, dass Sylvia Thomaszewski und Lars Fischbach aus dem Presbyterium an der Einsegnung teilgenommen haben, da ich die Beiden schon kenne. Bei der Einsegnung selbst war ich dann schon sehr ergriffen und ehrfürchtig.
CB: Was verbinden Sie mit diesem Segen?
KBZ: Mit dem Segen ist mir durch die Gemeinde und das Presbyterium offiziell die Verantwortung für mein neues Amt übergeben worden. Als äußeres Zeichen bekam ich dafür dieses schöne Schaltuch, welches Herr Pfarrer Ruhbach mir nach der Einsegnung angelegt hat. Dies erfüllte mich mit Stolz.
CB: Sie sagen, Sie haben schon eine Geschichte mit der Friedenskirchengemeinde. Erzählen Sie mal!
KBZ: Seit meinem achten Lebensjahr lebe ich nun in Weddinghofen. In unserer schönen Auferstehungskirche wurde ich konfirmiert und mein Mann und ich im Jahr 1991 getraut. Des weiteren wurden unsere beiden Kinder durch Pfarrerin Goldmann in der Friedenskirche getauft, die auch schon unsere Trauung vollzogen und meiner Familie im letzten Jahr, bei der Beerdigung unserer Oma zur Seite gestanden hat. Pfarrer Maties konfirmierte meinen Sohn und meine Tochter. Genauso wie meine Eltern sind mein Mann und ich aktiv in Frauenhilfe, Männerverein sowie im Förderkreis des Martin-Luther-Hauses. All diese Geschehnisse und Ereignisse prägen und schaffen ein Gefühl von Zugehörigkeit mit dieser Gemeinde.
CB: Was gefällt Ihnen an der Frauenhilfe?
KBZ: Mir gefällt der regelmäßige Austausch und interessant sind für mich immer wieder die Vorträge verschiedener ReferentInnen zu diversen Thematiken.
CB: Oft hört man ja von Frauen als Antwort auf eine Einladung zur Frauenhilfe: „Dafür bin ich noch zu jung!“ Woran, glauben sie, könnte es liegen, dass die Frauenhilfe für jüngere Frauen gerade nicht so attraktiv ist?
KBZ: Ja, Frauen meines Alters treffe ich dort nicht, das stimmt. Das finde ich schon schade, aber wir dürfen nicht vergessen, dass viele Frauen meiner Generation einer ganztägigen Berufstätigkeit nachgehen müssen. Durch die Mehrfachbelastung jüngerer Frauen aus Beruf, Familie und anderen Umständen stellt sich nicht in erster Linie die Frage nach Attraktivität - sie haben einfach keine Gelegenheit an solchen Veranstaltungen und Gemeinschaften teilzunehmen. Früher war die Frauenhilfe noch ein starkes Netzwerk von Nachbarschaftshilfe. Jede hatte eine Aufgabe und konnte Hilfsbedürftigen auf vielerlei Art helfen. Das kenne ich auch selbst aus dem Freundeskreis, dass man sich als Familien in schwierigen Lebenslagen unterstützt...
CB: Und heute wäre so ein nachbarschaftliches Netz für Familien und v.a. ältere Menschen ja auch sehr wichtig, gerade dort wo die sozialen Netze des Staates nicht greifen...
KBZ: Ja, genau. So etwas müsste es wieder geben. Deshalb finde ich auch die Initiative der „Familienpaten“ [evtl. Hinweis auf Ankündigung im Heft] interessant, bei der sich in Kooperation mit der Stadt auch unsere Gemeinde engagiert. Interessierte am „Patenamt“ werden einige Monate ausgebildet und Familien, die gerne häusliche Hilfe in Anspruch nehmen möchten, können sich melden.
CB: Wäre das nicht im Kontext Frauenhilfe zu aufwendig, extra eine Ausbildung?
KBZ: Nein, gerade das ist attraktiv! Wir müssen uns an neue gesellschaftliche Entwicklungen anpassen. Mit so einer Weiterbildung hat man auch etwas in der Hand und es gibt verbindliche Verabredungen zwischen Familien und „Paten“. Die Zielgruppe eines solchen Programmes sind auch eher Frauen und Männer, die bereits eine Berufsausbildung im sozialen oder hauswirtschaftlichen Bereich haben, aber nicht in ihrem Beruf arbeiten. Ich selber bin von Beruf Hauswirtschafterin. Damit würde ich z.B. ja auch schon eine Menge Erfahrung mitbringen...
CB: Ich spüre, da schlummern schon einige Ideen für Ihr neues Amt, Frau Borbach-Zimehl. Möchten Sie sich im Presbyterium für etwas Bestimmtes einsetzen?
KBZ: Das zu entscheiden ist jetzt noch ein wenig verfrüht. Viele Prozesse laufen bereits oder wurden entschieden, bevor ich dazu gekommen bin. An mir ist es jetzt erst einmal zu beobachten, zu lernen und mich dann nach und nach einzubringen. Es ist momentan wie eine neue Welt für mich, das geht schon bei vielen Abkürzungen los, die in den Presbyteriumssitzungen fallen, wie KSV und GA...
CB (dazwischen): Kreis-Synodal-Vorstand und Geschäftsführender Ausschuss, ja das habe ich auch schon gelernt in meinen ersten Wochen in der Gemeinde! Vielleicht könnte man den Einstieg in ein Gremium was diese Sachen angeht, für Neue noch etwas einfacher gestalten und mehr erklären...
KBZ: Das wäre schon gut. Zumal nicht nur die ganze Thematik für jemanden wie mich neu ist, sondern auch viele Menschen neu kennengelernt werden wollen. Deshalb bin ich auch gleich mit zum Presbytertag des Kirchenkreises gefahren. An so einem Tag lernt man sich einfacher kennen, als wenn dafür nur die Sitzungen zur Verfügung stehen!
CB: Was ist denn in der nächsten Zeit für Sie in Ihrem neuen Amt besonders wichtig?
KBZ: Das Amt als solches kennenzulernen und in die zahlreichen Bereiche rein zu finden. Dazu zählen in der kommenden Zeit die Aufgaben während des Gottesdienstes sowie die Konfirmationen.
CB: Lesen Sie auch gerne vor in der Kirche?
KBZ: Das habe ich bisher noch nie gemacht. Momentan würde ich es mir auch ehrlich gesagt noch nicht zutrauen. Dafür ist das alles im Gesamten noch viel zu neu und zu groß. Aber ich bewundere es sehr, wenn sich jemand vor die Gemeinde stellt und etwas ruhig und klar vorträgt.
CB: Und wie sind Sie zufrieden mit den Gottesdiensten in unserer Gemeinde?
KBZ: Ich gehe sehr gerne in den Gottesdienst, finde es aber schade, dass so wenige Menschen dort sind und vor allem, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten! Der Gottesdienst bedeutet für mich Gott ganz nah zu sein. Dann geht es mir einfach gut! Auch in dunklen Zeiten hat mich mein Glauben aufgefangen. So lange ich mich erinnern kann begleitet mich ein Gebet jeden Tag. Die Gottesdienste sind für mich eine feierliche Zeremonie meines Glaubens.
CB: Möchten Sie uns noch etwas über sich persönlich sagen, Frau Borbach-Zimehl?
KBZ: Ich bin 42 Jahre alt. Mein Mann Holger und ich haben zwei Kinder. Nils Sören ist 19, Hanna Rebecca 16 Jahre alt. Wir vier sind alle richtige „Familienmenschen“ und sind auch eingebunden in unsere Familien drum herum. Vor allem mein Opa ist jetzt oft bei uns, seit unsere Oma im vergangenen Jahr verstorben ist - die wir alle unendlich vermissen!
In meinem Beruf habe ich in einem Seniorenzentrum und später in privaten Haushalten gearbeitet. Dann habe ich ein paar Jahre meine Kinder so richtig „genossen“, und nun arbeite ich zwei Tage die Woche in einem Büro. In meiner Freizeit besuche ich einen Nähkreis im Martin-Luther-Haus und mit meinem Mann dort einen Tanzkurs. Und dann, kommt jetzt noch „ein bisschen Gemeinde“ dazu!
CB: Darauf freuen wir uns! Ich wünsche Ihnen einen guten Start bei diesem Dienst – und warten Sie nicht zu lange, Ihre neuen Ideen einzubringen!
