„Religionen in einer Stadt"

- Gelebte Nachbarschaft? -

presbytertagAm letzten Samstag kam es zu einem Nachbarschaftstreffen in der Ev. Lydiagemeinde in Dortmund. Erstmals trafen sich die beiden Presbyterien der evangelischen Kirchengemeinden in Bergkamen zu einem gemeinsamen Studientag in Dortmund hinter dem Hauptbahnhof.

Dort im Dortmunder Norden, wo die muslimische Nachbarschaft bereits über 50% der Bevölkerung ausmacht, nahmen die beiden Presbyterien die Lebenswirklichkeit einer christlichen Gemeinde in einer Minderheitensituation in den Blick. Ein Phänomen, das im Ruhrgebiet öfter anzutreffen ist. Nicht nur in den Schulen, auch in den evangelischen Tageseinrichtungen sind die muslimischen Kinder in der Mehrheit. Das Pfarrehepaar Sandra und Fred Laker berichtete über Projekte, die - wie die „Nacht der Religionen" - über 600 Menschen in die Pauluskirche zusammenbringt. Dort kommen die Religionen über ein fünfstündiges „Kulturprogramm" ohne Hemmschwellen ins Gespräch. Kontakte gibt es derzeit zu sechs Moscheen im Umkreis, aber es gibt auch das Schweigen.

Anschließend referierte Landeskirchenrat G. Duncker, der extra aus Bielefeld angereist war und der übrigens mehrere Jahre im Auslandspfarramt der EKD in Istanbul als Pfarrer tätig war, über die Wahrnehmung der muslimischen Nachbarn in den westfälischen Kirchengemeinden. Dabei räumte er auch mit einigen Klischeevorstellungen auf, mit denen in der Öffentlichkeit Stimmung gemacht wird, wie die Sorge vor einer Überfremdung durch massives Bevölkerungswachstum. Zugleich hat der Islam daneben in vielen Medien zu Unrecht „ein schlechtes Image". Landeskirchenrat Duncker, ehemaliger Gemeindepfarrer in Lünern-Hemmerde, sparte auch die aktuellen Diskussionspunkte über die Rolle der „Minarette" und die Frage nach einem „Islamunterricht an Schulen" nicht aus und bezog Position. Es gälte in unserer Gesellschaft „andere Lebensentwürfe zu ertragen", und Toleranz ist eben mehr „als nur hinnehmen". Die Grenzen sind allerdings ebenso klar durch den Rechtsstaat und das BGB gesetzt.

Am Nachmittag referierte dann der Beigeordnete und Sozialdezernent der Stadt Bergkamen, Bernd Wenske, über die „Nachbarschaft der Kulturen" in der Stadt Bergkamen.

Sachkundig entfaltete er die „Zuwanderungsgeschichte" und sensibilisierte für die unterschiedlichen muslimischen Vereine, Verbände und Gruppen in der Stadt. Auch wenn viele muslimische Nachbarn unorganisiert sind, so skizzierte Bernd Wenske für Bergkamen doch die Situation „einer Nebengesellschaft". Entschieden forderte er die Kirchen in der Stadt auf, den „christlich-islamischen Dialog" vor Ort „ehrlich" zu führen.

Die Mitglieder beider Presbyterien fühlten sich offensichtlich beim Nachbarn in Dortmund wohl. Sie nutzen die erste gemeinsame Tagung auch, um sich beim Mittagessen besser kennen zu lernen und sich auszutauschen.

Das Thema des Studientages soll Folgen haben, auch für das multikulturelle und multireligiöse Miteinander in Bergkamen. Doch auch Fragezeichen, wie z. B. „Wie und mit wem man in einen konkreten Dialog treten?", blieben in den Gesichtern der Teilnehmenden haften. Der Studientag war am Ende nicht mehr als eine erste Annäherung an einen oft fremden Nachbarn.
Pfarrer Christoph Maties