Friedenskirchengemeinde kritisiert den Zeitpunkt des Lichtermarktes
„Ob uns vielleicht irgendwann einmal ein Licht aufgeht?" -
Zum Umgang mit dem Reformationstag in der Stadt Bergkamen
Bereits im letzten Jahr hatte sich die Friedenskirchengemeinde an die Stadt Bergkamen gewandt: Das Presbyterium war verwundert, dass der Lichtermarkt 2008 am Reformationstag stattfinden würde.Das hatte es dem Bürgermeister geschrieben. Der sah den Widerspruch jedoch nicht als gravierend an. - Da nun nicht nur die Veranstaltung selbst am Reformationstag stattfindet, sondern der Bürgermeister auch noch seine Eröffnungsrede parallel zu unserer traditionell feststehenden Gottesdienstzeit halten will, hat sich die Kirchengemeinde an den Regierungspräsidenten in Arnsberg gewandt.
Pfr. Christoph Maties hat dies im Auftrag der Kirchengemeinde getan und auch folgende Pressemitteilung herausgegeben:
Passend gerahmt zwischen Sim-Jü in Werne und der Allerheiligenkirmes in Soest ist nun auch noch der Lichtermarkt in Bergkamen platziert. Kein Wochenende ohne Event.
Von sogenannten Sachzwängen sprach der Bürgermeister Roland Schäfer schon im vergangenen Jahr, als die Ev. Friedenskirchengemeinde in Bergkamen von diesem „Schlaglicht" überrascht wurde. Lichtermarkt am Reformationstag, die Evangelische Friedenskirchengemeinde hielt das zuerst für einen „Spuk!"
Doch dann wurde sie vom Bürgermeister aufgeklärt:
Die Terminierung des Lichtermarktes in diesem Jahr auf den Reformationstag war bereits im Oktober des letzten Jahres nicht mehr zu ändern. Kein Alarmlicht ist bei denen angegangen, die sich über solche Dinge in der Stadtverwaltung Gedanken machen und entscheiden. Dass am 31.10. Reformationstag ist, sei schlicht vergessen worden, bekannte nicht nur eine Politikerin.
Und der Bürgermeister betonte auf kritischer Nachfrage der Kirchengemeinde in einer E-Mail Anfang November:Richtig ist, dass im nächsten Jahr der Bergkamener Lichtermarkt genau auf den 31.10., also den Reformationstag, fallen wird. Da wir die großen städtischen Veranstaltungstermine (Hafenfest, Museumsfest, Lichtermarkt,
Weihnachtsmarkt) sehr langfristig festlegen müssen, und für den Lichtermarkt nun mal der letzte Freitag im Monat Oktober vorgesehen ist, ist daran zum jetzigen Zeitpunkt auch nichts mehr zu ändern.Der Lichtermarkt ist auch kein Termin, bei dem man um Punkt 18.00 Uhr auf seinem Platz zu sein hat. D.h. es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn jemand um 18.00 Uhr den Gottesdienst besucht und dann um 21.00 Uhr sich die Lichtkunstwerke auf dem Stadtmarkt anguckt.
Doch seit den Presseveröffentlichungen der letzten Woche liest das Presbyterium diese E-Mail in einem anderen Licht. Denn wenn um 18.00 Uhr am kommenden Freitag die einen beim Altarlicht des Kerzenscheins in der Friedenskirche sitzen und Gottesdienst feiern, werden die anderen im künstlichen Licht auf dem Marktplatz den Lichtermarkt eröffnen.
Und selbst die künstliche Lichtproduktion des „Armes Gottes" (nach Michelangelo) wirft kein gutes Licht auf die Tatsache, dass der Bürgermeister persönlich pünktlich zum Beginn des Reformationsgottesdienstes um 18.00 Uhr zeitgleich den Lichtermarkt eröffnet.
Die Verantwortlichen in den evangelischen Kirchengemeinden, die immerhin über 20.000 evangelische Protestanten repräsentieren, haben schon den Eindruck, dass ihr Feiertag in eine dunkle Ecke gestellt wird. Nun sollen wir Christen aber, so sagt es Jesus, unser „Licht nun nicht unter den Scheffel stellen" und auch Orientierungs- „Licht der Welt" sein.
Der Reformationstag ist uns evangelischen Christen wichtig. Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 (500 Jahre Reformation) soll die Bedeutung des Tages als Leuchtfeuer für die evangelische Christenheit und auch für unsere Bürgergemeinde betont werden. Weder Halloween noch der angehende 9. Lichtermarkt mit ihren kurzen Traditionen in unserem Land, sollen das überstrahlen.
Dass die politisch Verantwortlichen in dieser Stadt dem Reformationstag so wenig Bedeutung beimessen, bedauert das Presbyterium der Ev. Friedenskirchengemeinde ausdrücklich.
Das „Mickey Mouse" am Ende „Martin Luther" überstrahlen soll, kann nicht im Sinne der Ev. Kirche sein. Jeder Spaß hat seine Zeit, aber auch dem Reformationstag gebührt mit seiner langen Tradition mehr gesellschaftlicher Respekt. Zu viel kaltes Licht kann auch blenden! Wir sollten nicht zugleich den Abbruch unserer kulturellen Traditionen beklagen und zugleich selbst ständig unser Teil dazu beitragen.Im Licht der Friedenskirchengemeinde ist der Lichtermarkt parallel zur Gottesdienstzeit ein Ärgernis. Andere mögen das im anderen Licht sehen.
Das Presbyterium prüft zurzeit die Frage, ob das „Licht des Rechtes" unsere Position erhellt.
Immerhin gibt es in NRW ein Feiertagsgesetz, das auch rein kirchliche Feiertage unter einen besonderen Schutz stellt.
So mag nun der Regierungspräsident die Frage beantworten, ob nicht auch die Gottesdienstzeit an einem evangelischen Feiertag geschützt ist, wenn mehr als 40% der Stadtbevölkerung evangelisch sind!
Die letzte Antwort des Bürgermeisters versucht nun, diesen Konflikt zu entschärfen. Er schreibt:
Lieber Herr Pfarrer Maties,
ich habe noch einmal über Ihr Anliegen nachgedacht. Da ich weder Sie noch die evangelischen Gläubigen in unserer Stadt verärgern will, bin ich bereit, die offizielle Eröffnung der Veranstaltung durch mich auf 19.00 Uhr zu verschieben.
Der Markt selbst würde natürlich schon um 18.00 Uhr zugänglich sein. Das läßt sich nicht ändern, da alle Verträge mit Standbetreibern etc. auf 18.00 Uhr ausgestellt sind und im übrigen der Marktplatz ja auch nicht abgesperrt ist. Der offizielle Beginn wäre dann erst um 19.00 Uhr. Das müßte doch eigentlich Ihre Bedenken ausräumen.
Wir werden das so morgen als Pressemitteilung für die Öffentlichkeit herausgeben.
Alles Gute
mit freundlichen Grüßen
Roland Schäfer
Nun, da ist uns allen also noch vor dem Lichermarkt ein Licht aufgegangen.
